Ghost Rider: Spirit of Vengeance (2012)

Handlung

Fünf Jahre nach seinem ersten Auftritt als Antiheld Johnny Blaze alias Ghost Rider kehrt Nicholas Cage nun unerwartet doch noch in einer Fortsetzung zurück. Inhaltlich wird der erste Film ignoriert, die einzige Gemeinsamkeit ist nur Cage in der Titelrolle. Diesmal wird das Geschehen aus den USA nach Osteuropa verfrachtet, wo der Leibhaftige in Menschengestalt (Ciarán Hinds) seine menschlichen Schergen nach einem Jungen (Fergus Riordan) suchen lässt, welcher als allmächtiges Gefäß für eine unzerstörbare menschliche Gestalt des Teufels dienen soll. Auftritt Ghost Rider! Für das Versprechen des ständig betrunkenen aber in Waffen gut versierten französischen Mönchs Moreau (Idris Elba) den Ghost Rider Fluch ein für alle Mal von ihm zu nehmen, willigt Johnny Blaze ein, den Jungen und seine Mutter (Violante Placido) vor dem Teufel und seinen Handlangern, angeführt von Ray Carrigan (Johnny Whitworth) zu beschützen.

Kritik

Es ist nicht selten, dass auch mittelmäßige Filme bei solidem, wennauch nicht überwältigendem Erfolg fortgesetzt werden. Es ist eben Hollywood und Studios versuchen immer ein neues Franchise zum Laufen zu bringen. Es ist aber in der Regel bei solchen Sequels wichtig, diese möglichst schnell nach dem Original auf die Leinwände zu bringen, bevor der erste Film durch seine Mittelmäßigkeit völlig in Vergessenheit gerät. Hier gilt das Motto: Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist. Umso überraschender ist es, dass es ganze fünf Jahre dauerte bis Ghost Rider eine erneute Chance bekam, das Publikum zu überzeugen. Der erste Film hatte zwar einige nette Actionsequenzen und einen netten Look zu bieten, konnte aber, alles in allem, nicht besonders überzeugen. So entschied sich Sony, wohl nach langer Überlegung, Nicholas Cage erneut für die Rolle des verfluchten Johnny Blaze, der vor vielen Jahren einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat, um das Leben seines Vaters zu retten, zu verpflichten. Zugleich wollte man aber die Geschichte gänzlich neu aufrollen, da es wohl bewusst war, dass sich nicht so viele Kinogänger an das Original noch erinnern würden.

Ferner wurde (was für eine Fortsetzung heutzutage extrem ungewöhnlich ist) das Budget halbiert. War der erste Film noch eine $110 Mio Produktion, so kostete der zweite Film nur $57 Mio. Diese Einsparung war unter anderem durch viel billigere Drehorte in Osteuropa und der Türkei möglich, ist der Film aber leider jederzeit anzusehen. In den meisten Szenen, vor in der Eröffnung, in der die Söldner des Teufels ein Kloster stürmen und in den anderen (wohlgemerkt spärlichen) Actionszenen des Films sieht der Steifen einfach billig aus. Die Schauwerte hier sehen aus wie in einer typischen, für den Heimmarkt gedrehten Billigproduktion der Marke Steven Seagal aus. Wenn die Söldner das Kloster nach dem Jungen durchforsten und alle erschießen, die sich ihnen in den Weg stellen, erwartet man, dass Seagal oder ein anderer abgehalfterter Actionheld plötzlich auftaucht und die Bösewichte erledigt. Die Filmemacher wollten hier wohl einen dreckigen, realistischen Look bewirken (denn Mittel für viel mehr hatten sie ja auch nicht). Dies gelingt aber nicht. Stattdessen sehen die Ausstattung, die Kamera und der Schnitt einfach unbeholfen und billig aus. Auch die Ghost Rider-Effekte, die hier eher sparsam eingesetzt werden, haben sich in den Jahren nach dem ersten Film nicht verbessert, sondern sehen sogar schlechter aus. Das erwartet man sicherlich nicht von einer größeren Marvel Verfilmung.

Während der erste Ghost Rider Film vom weitgehend kreativitätsfreien, aber routinierten Mark Steven Johnson inszeniert wurde (der davor einen besseren Marvel Film mit Daredevil abgeliefert hat), wurden hier kreativeren Wege beschritten. Man übertrug die Verantwortung dem Regie-Duo Mark Neveldine und Brian Taylor, die sich mit ihren beiden Crank Filmen einen Namen gemacht haben. Ihr übertriebener hyper-brutaler Stil machte Crank und seinen Nachfolger zu den aufregendsten und interessantesten Actionfilmen der letzten Jahre. Denkt man an den comichaften Stil der Action und der Gewalt in ihren Filmen, so erscheint es nur logisch, dass die beiden eine Comicverfilmung inszenieren. Mit einem Antihelden wie Ghost Rider hatten sie auch genau den passenden Charakter dazu. Doch etwas ging hier gewaltig schief. Das große Problem war, dass die beiden verpflichtet waren, mit Ghost Rider einen jugendfreien Film abzuliefern, um so seine kommerziellen Chancen zu verbessern. Doch gerade die zügellose überzeichnete und kaum ernstzunehmende Gewalttätigkeit ihren Filme zeichnete die Regisseure bislang aus. So bekommt man zwar die gleichen cinematischen Eindrücke hier, wie in deren anderen Filmen – überdrehte Kamerafahrten, schnelle Schnitte, sinnfreie aber ironische Einblendungen – doch bei den Actionszenen halten sich die beiden zurück, was sich hier einfach falsch anfühlt. Dies ist sicherlich nicht das größte Problem dieses vollkommen misslungenen Films, aber zumindest hätte dies eine Trash-Perle werden können, hätte man den beiden mehr freie Hand gelassen. In der jetzigen Fassung kann man die Zurückhaltung der Filmemacher förmlich spüren, die Szenen, in denen sich Ghost Rider der Bösewichte entledigt sind einfach zu zahm.

Wie die Plotbeschreibung schon anmutet, handelt es sich hier storytechnisch um einen Terminator 2-Verschnitt. Mit von der Partie sind ein unzerstörbarer Antiheld, ein wichtiger Junge und seine taffe Mutter auf den Spuren. Sie wandeln auf den Spuren von Arnie, Edward Furlong und Linda Hamilton – nur hinterlassen sie leider nicht annähernd einen so guten Eindruck. Eine völlig originelle und schlüssige Handlung erwartet man ja auch nicht unbedingt von so einem Film – er muss ja einfach nur unterhalten. Nur leider tut er dies auch nicht besonders gut. Der inszenatorische Stil stört hier eher, als dass er hilft. Dies fängt schon mit einer direkten Warnung an Raubkopierer, die im animierten Prolog des Films eingebaut wurde und setzt sich in einer lächerlichen Szene fort, in der der Fluch von Blaze genommen wird. Ebenso peinlich und sinnfrei sind nicht eine, sondern gar zwei völlig beiläufige Einblendungen von Ghost Rider beim Feuerpinkeln. Die beiläufig eingestreuten Pop Culture Anspielungen (Jerry Springer als Verkörperung des Teufels!) erreichen hier einfach nicht die erhoffte Wirkung und kommen als wahllos rüber. Die zwei großen Actionsequenzen des Films sind eine spannungsfreie Verfolgungsjagd und eine Szene, in den der Rider ein riesiges Tagebaugerät in eine flammende Todesmaschine verwandelt. Der überdrehte und ständig wackelnde Stil der Kameraführung macht die ganze Idee der 3D-Effekte hier zunichte, denn diese kommen so gut wie nie zum Vorschein. Die Bösewichte sind alle entbehrlich und warten nur darauf, wie der Rider sie immer auf die gleiche Art und Weise zu Asche verwandelt. Der eigentliche Bösewicht, Ray Carrigan, welcher mitten im Film vom Teufel in Blackout, einen Dämon mit der Fähigkeit alles, was er anfasst, zum Zerfall zu bringen, verwandelt wird, lässt Wes Bentleys schon schwachen Blackheart aus dem ersten Film bedrohlich und stark aussehen. Riders Überlegenheit gegenüber allen in diesem Film lässt alle Kämpfe eher langweilig aussehend.

Von den Schauspielern sollte man auch nicht viel erwarten. Ciarán Hinds blamiert sich in einer für ihn (auf schlechte Art und Weise) ungewöhnlich überdrehten Rolle als der Teufel. Violante Placido hat nicht viel mehr zu tun, als das durch Drehbuchautoren erzwungene Love Interest für Ghost Rider zu sein (da Eva Mendes aus dem ersten Film ja nicht mehr von der Partie ist). Johnny Whitworth als der Bösewicht Blackout ist, wie schon erwähnt, völlig uninteressant und scheidet aus dem Film so schnell wie er mit seinen neuen Kräften auftaucht. Der aus der umjubelten Serie The Wire bekannte Idris Elba tut sich hier ebenfalls keinen Gefallen als klischeebehafteter französischer Mönch (er betrinkt sich aber nur mit edlem Wein, denn er ist ja Franzose!). So bleibt nur Nicholas Cage, der hier eine absolut wilde, manische Performance abliefert, die auf dem Grat zwischen peinlich und Kult wandert. Es ist offensichtlich, dass Cage die fehlenden Qualitäten des Films bewusst sind und so zieht er einfach sein Ding durch. Er grimassiert (und mutet manchmal wie John Carrey aus der Mitte der 90er Jahre an), heult, schreit und macht sich die größte Mühe die bereits lächerlichen Dialoge, noch bescheuerter klingen zu lassen. Cage macht manchmal Spaß, manchmal nervt er hier einfach nur. Zumindest versucht er aber nie die Rolle ernsthaft zu spielen, was in diesem Film einfach nicht möglich wäre. Nicht unerwähnt wollte noch der 5-Minuten Auftritt von Christopher Lambert bleiben, der als tätowierter Mönch sich sicherlich nach den alten Highlander Zeiten sehnt.

Fazit

War der erste Ghost Rider routiniert, farblos, aber leidlich unterhaltsam, so ist der zweite Leinwandauftritt einfach nur Müll, der den ersten Streifen rückblicken ziemlich gut aussehen lässt. Hier scheiterte alles, von dem Schauspielern, über das Drehbuch bis hin zur Regie.

Bewertung: 

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