Gone (2012)

Handlung

Ein Jahr ist es her, dass Jill Parrish (Amanda Seyfried) nachts aus ihrem Bett von einem Unbekannten entführt und im Wald in ein Erdloch geworfen wurde.  Nur knapp konnte sie ihrem Peiniger entkommen. Aufgrund ihrer Vorgeschichte von psychischen Problemen und einem Mangel an Beweisen glaubt die Polizei ihre Geschichte aber nicht. Nun kehrt langsam Normalität in ihr Leben ein, doch diese findet ein jähes Ende als eines nachts ihre Schwester Molly (Emily Wickersham), die mit ihr zusammen wohnt, plötzlich verschwindet. Jill ist davon überzeugt, dass der Mann, der sie damals entführt hat, nun zurück ist. Die Cops glauben Jill aber kein Wort und halten sie für labil. Jill bleibt also keine Wahl, als den Entführer auf eigene Faust zu jagen. Für sie ist es ein Wettlauf gegen die Zeit, denn sie ist davon überzeugt, dass ihre Schwester bei Sonnenuntergang sterben wird. Zugleich ist die Polizei aber hinter Jill her, denn sie wird als eine Gefahr für sich und für andere betrachtet.

Kritik

Vor kurzem erst erzählte ich von dem immerwährenden Trend, erfolgreiche nicht-englischsprachige Regisseure nach Hollywood oder Großbritannien zu holen. Mit Safe House, Dame, König, As, Spion und Contraband kamen in letzter Zeit dabei auch solide bis sehr gute Filme heraus. Doch nicht immer funktionieren solche Übergänge gut. Man denke bloß an den Oscar-Gewinner Florian Henckel von Donnersmarck, der nach dem glorreichen Das Leben der Anderen das maue Remake The Tourist mit Johnny Depp und Angelina Jolie ablieferte. Oder noch schlimmer: das Catwoman-Debakel vom französischen Regisseur Pitof. Obgleich der Brasilianer Heitor Dhalia (Adrift), hier keine solche Katastrophe kreierte, gehört sein Hollywood-Debüt doch zur letzteren Art. Die Inhaltsangabe lässt es schon erahnen – den Zuschauer erwartet kein Feuerwerk an Kreativität und Einfallsreichtum. Doch man muss ja nicht von jedem Thriller ein kunstvolles Meisterwerk á la Sieben oder Das Schweigen der Lämmer erwarten. Manchmal reicht einfach (wie schon im Falle des vorhin genannten Contraband) eine routinierte Inszenierung, die den Zuschauer zu unterhalten weiß und nicht für völlig blöd verkauft. Doch leider ist auch dies hier nicht völlig gelungen. Dhalia schafft es weder seine eigene Note dem Film zu verleihen, noch aus altbekannten Elementen sonderlich gute Unterhaltung zu erschaffen. Gearbeitet wird hier mit den üblichen Genre-Bauteilen: dunkle Farbfilter, unheilvoll anmutende Klänge, finster dreinblickende Figuren. Das alles hat man schon gesehen und zwar in besseren Filmen.

Geschuldet ist dies sicherlich nicht nur dem Regisseur, sondern vor allem dem Drehbuchautor Allison Burnett. Schaut man sich seine Filmographie an, welche Filme wie Fame, Underworld: Awakening und den Serienkiller-Thriller Untraceable beinhaltet, überrascht einen der Mangel an qualitativ hochwertiger Geschichte etwas weniger (zugegeben, diese habe ich schon nach der Sichtung des Filmplakats nicht mehr erwartet). Burnett hat selbst gesagt, dass die Idee zum Film ursprünglich aus einem einzigen mentalen Bild entstand – dem eines Mädchens, das mitten im Wald in einem Erdloch steckt. Vielleicht sollte dieser Films als Hinweis dazu dienen, dass bloß ein eindrucksvolles Bild noch kein Material für einen abendfüllenden Spielfilm liefert. Dies erklärt die ziemlich hanebüchene Story, bei der Jill Scooby Doo-mäßig dank hanebüchener Hinweise (eine Rolle Klebeband, ein Kassenzettel über den Kauf von Seilen!) doch immens schnell Fortschritte macht. Viele Plotstränge werden kurz aufgegriffen und dann einfach fallen gelassen. Diverse Charaktere werden eingeführt, um als mögliche Verdächtige zu dienen, doch sind sie in dem Film so irrelevant und die falschen Fährten so offensichtlich, dass es dem Zuschauer einfach egal ist, wer nun der Schuldige sein könnte. Bedenkt man doch die ganz solide Nebenbesetzung, die Wes Bentley (American Beauty), Jennifer Carpenter (Dexter) und Joel David Moore (Avatar) vorweist, ist es umso überraschender, dass diese fast gar nicht genutzt wird. Am lächerlichsten ist wohl der Moment, in dem die komplette Abwesenheit von Bentleys Cop-Charakter (der als einziger Jill glaubt und offensichtlich als möglicher Verdächtiger dienen soll) dadurch erklärt wird, dass er seiner Mutter Suppe machen muss. Bitte was?

Eindeutig wurde hier die Entscheidung gefällt, den Fokus voll und ganz auf Amanda Seyfried zu legen. Diese weiß auch als eine der wenigen in dem Film zu überzeugen. Großäugig und determiniert schüttelt ihr Charakter eine Lüge nach der anderen aus dem Ärmel, um die nötigen Informationen zu entlocken. Wenn nötig, greift sie auch zu ihrem Revolver. Amanda Seyfried hat schon eine Reihe labiler Charaktere gespielt, von ihrer Stalkerin in Chloe bis zum Dämonen-bekämpfenden Teenie in Jennifer’s Body. Den Dreh hat sie gut raus, aber auch sie kann diesen Film mit all seinen Fehlern und Schwächen nicht tragen. Nach ihrem Durchbruch mit Mamma Mia! waren die meisten ihrer Rollen doch zweifelhafter Natur, von der klischeebehafteten Romanzen wie Briefe an Julia und Das Leuchten der Stille bis hin zum Möchtegern-Twilight Red Riding Hood.  Mit der Rolle in einem 08/15 Thriller wie Gone tut sie sich freilich keinen Gefallen. Vielleicht sollte sie sich ja mehr an Emma Stone orientieren, die ähnlich angefangen hat, sich aber mittlerweile eine formidable Karriere aufgebaut hat.

Gone hat in seiner kurzen Laufzeit durchaus einige solide Momente zu bieten, was die Spannung angeht. Das größte Manko des Films liegt aber in der verpassten Gelegenheit mit der Prämisse zu spielen. Diese eignet sich perfekt dazu die Grenzen zwischen dem möglichen Wahnsinn der Heldin und einem echten Verbrechen zu verwischen und die Psyche von Jill mehr auszuloten. Dies wird jedoch kaum gemacht. Seyfrieds Charakter hat nie Selbstzweifel und auch dem Zuschauer wird ziemlich klar woher der Wind weht. Dieser Einfall wäre vielleicht ebenfalls nicht sonderlich originell, hätte aber zumindest einen zusätzlichen interessanten Aspekt reingebracht.

Fazit

Gone ist ein von erster Minute bis zu seinem antiklimatischen Finale generischer Thriller mit einer gut aufgelegten Amanda Seyfried, aber auch einem Plot, den man auf die Rückseite einer Kaugummiverpackung aufschreiben könnte.

Bewertung: 

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