Marvel’s The Avengers (2012)

Handlung

Angesetzt nach den Events von Thor, findet Thors Bruder Loki (Tom Hiddleston) seinen Weg zur Erde und stiehlt aus den Labors der Friedensorganisation S.H.I.E.L.D. den Tesserakt-Würfel – eine unerschöpfliche Energiequelle. Damit will der verstoßene Gott von Asgard einen Portal zu einer anderen Welt öffnen und eine Armee von Aliens hindurch lassen, die er dann in einem Krieg gegen die Erde anführen würde. Bei dem Überfall hypnotisiert er auch noch den Wissenschaftler Erik Selvig (Stellan Skarsgård) und einen von S.H.I.E.L.D.s Top-Agenten Hawkeye (Jeremy Renner), die ihm bei der Ausführung seines Plans helfen sollen. Der Leiter von S.H.I.E.L.D. Nick Fury (Samuel L. Jackson) kommt selbst nur knapp mit dem Leben davon. Um Loki aufzuhalten, bleibt Fury nun nichts anderes übrig, als die eigentlich verworfene Avengers-Initiative zurück ins Leben zu rufen. Ein Team von widerwilligen und nur mäßig kooperativen Superhelden soll Loki Einhalt bieten. Vorhang auf für Tony Stark alias Iron Man (Robert Downey Jr.), Steve Rogers alias Captain America (Chris Evans), Thor (Chris Hemsworth), Natasha Romanoff alias Black Widow (Scarlett Johansson) und Bruce Banner, wessen Alter Ego Hulk ist (Mark Ruffalo). Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem aber auch die eine oder andere persönliche Differenz überwunden werden muss.

Kritik

Lange haben die Fans darauf gewartet. Schon in 2007 wurde The Avengers als ein künftiges Marvel Projekt angekündigt, doch es war erst die Szene nach dem Abspann des Überraschungserfolges Iron Man, in welcher Samuel L. Jackson zum ersten Mal als Nick Fury auftaucht und die Avengers-Initiative anspricht, welche den ersten Stein auf dem Weg zu diesem Film gelegt hat. Seitdem folgten die darauffolgenden Marvel Verfilmungen eine klare Linie. Es wurden einige neue Superhelden vorgestellt und Querverbindungen zwischen den Filmen geschaffen, so dass ein fließender Übergang zu The Avengers möglich sein würde. Noch im gleichen Jahr wie Iron Man, kam Der unglaubliche Hulk (OT: The Incredible Hulk) in die Kinos einschließlich einer Szene, in der Downey Jr.s Tony Strak auftaucht. In Iron Man 2 wurde Samuel L. Jacksons Rolle erweitert und mit Scarlett Johanssons Natasha Romanoff eine weitere Heldin vorgestellt. Die Endphase der Vorbereitung auf The Avengers erfolgte dann letztes Jahr, als mit Thor und Captain America sowohl zwei weitere Helden, als auch der Bösewicht von The Avengers ihren Weg auf die Leinwand fanden. Auch der kosmische Würfel – der Tesserakt – spielte in den beiden Filmen eine Rolle.

Zweifelsohne haben Marvel und Paramount den Weg bereitet und eine gute Ausgangsklage für The Avengers geboten. Schließlich wurden alle Einzelfilme von den Kritikern und Zuschauern gut aufgenommen, auch wenn einige bemängelten, dass Filme wie Iron Man 2 weniger eigenständige Streifen sind, sondern einfach nur als Übergang zu The Avengers dienen. Dennoch war die Angst unter den Fans groß, dass ein solches Projekt nur schwer zu meistern sein würde. Schließlich sollte nicht ein Charakter alle anderen überschatten die sorgfältig ausgearbeiteten Persönlichkeiten der anderen Charaktere nicht zum Tragen kommen lassen. Andererseits sollte ein solch einzigartiges Projekt aber auch mehr Action und visuellen Bombast als alle Vorgänger liefern. Die Balance zwischen einem actionreichen Film und gleichzeitig auch einem Ensemble-Stück erschien schwierig. Glücklicherweise griff man auf einen Filmemacher zurück, der den Spagat hervorragend schafft.

Joss Whedon genießt in gewissen Fankreisen seit langer Zeit ein großes Ansehen. Berühmt wurde der Drehbuch- und Comicautor vor allem durch seine Serie Buffy – Die Vampirjägerin. Seine kurzlebige Sci-Fi Serie Firefly wurde Kult. Nur im Kino konnte Whedon bislang keinen großen Erfolg verbuchen. Mit The Avengers wird sich dies nun ändern.

Es bedarf schon einer gewissen Sensibilität und Vertrautheit mit der Materie, um ein solches Projekt wie The Avengers richtig umzusetzen. Marvel hat hier viel riskiert, indem ein Regisseur genommen wurde der noch nie etwas auch nur annähernd so großes inszeniert hat. Dies zahlte sich jedoch aus. Joss Whedon liefert hier zwar kein Nolansches Meisterwerk ab, aber trotzdem eine sehr unterhaltsame Comicverfilmung ab, die seiner Vorgänger mehr als würdig ist. Whedons größte Leistung besteht dabei darin, allen Figuren mehr als genug Raum zur Entfaltung zu bieten. Jeder Hauptcharakter bekommt seine Glanzmomente und entwickelt sich von den vorherigen Einzel-Avenger Filmen weiter. Kein Charakter wird aufgrund seiner Popularität mehr ins Rampenlicht gerückt. Im Vorfeld gab es die Befürchtung, dass Iron Man den Hauptfokus des Films bilden würde, da sein Charakter wohl der erfolgreichste unter den Avenger Helden ist. Dies ist nicht der Fall. Whedon selbst ließ verlautbaren, dass der Filme aus Captain Americas Perspektive erzählt werden würde. Obgleich Captain America gegen Ende des Films seinen rechtmäßigen Platz als der Anführer der Avengers annimmt, kann man jedoch nicht sagen, dass ein Übermaß an Screentime an seinen Charakter entfällt. Am Ende bietet der Film eine unglaublich ausgewogene Balance zwischen allen Akteuren. Jede hat seine große Actionszene, jede bekommt die Gelegenheit den einen oder anderen coolen Spruch von den Lippen zu lassen und jeder Charakter zeigt mehr von sich denn je zuvor.

So bekommt auch Scarlett Johanssons Black Widow eine durchaus größere Rolle als man vermuten würde, angesichts der Tatsache, das ihr Charakter nicht einmal eine eigenen Film im Vorfeld hatte und von den Zuschauern in Iron Man 2 nur mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde. Doch Whedon, der schon immer für starke weibliche Charaktere bekannt war, holt viel aus ihr heraus. Die Black Widow ist nicht bloß eine kämpfende Augenweide, sondern zeigt auch viel mehr von ihrem Charakter, sowie von ihren anderen, subtileren Fähigkeiten. Es wird klar, warum sie, trotz der fehlenden offensichtlichen Superkräfte, dennoch ein essenzielles Mitglied der Avengers ist. In den Actionszenen behauptet sich Johansson aber auch formidabel, wenn auch am Ende des Films ihr mehr Kräfte zugeschrieben werden als sie eigentlich haben sollte.

Natürlich glänzt auch Robert Downey Jr. wieder in seiner Paraderolle als Tony Stark. Immer noch selbstverliebt, arrogant und zynisch, zeigt Stark aber auch zuweilen seine menschlichere Seite. Der Schauspieler hat sich in die Rolle super eingelebt und trägt sie wie eine zweite Haut. Chris Evans macht auch weiterhin eine gute Figur (im wahrsten Sinne des Wortes) als Captain America, wenn auch der Aspekt, dass er fast 70 Jahre eingefroren war und sich komplett in einer neuen Welt zurecht finden muss eher unter den Tisch fallen gelassen wird und nur mit einigen Sätzen und Anmerkungen abgehandelt wird. Das ist schade, denn dies hätte dem Charakter noch mehr interessante Seiten verliehen. Hier lässt sich vermuten, dass einiges beim schienden des Films der Schere zum Opfer fiel. Chris Hemsworths Thor kommt erst etwas später ins Spiel, wobei seine am Ende von Thor noch so unmöglich erscheinende Rückkehr mit einem kurzen Satz von Loki erklärt wird. Für seinen Charakter wird der Kamps noch persönlicher, da es schließlich um seinen Stiefbruder geht und Thor Loki immer noch als bloß sehr fehlgeleitet ansieht. Jeremy Renner als Clint Barton alias Hawkeye kommt wohl am schlechtesten davon, da seine Rolle am wenigsten Entwicklung bietet. Dafür ha er eine der coolsten Waffen im Marvel Universum und weiß diese im Finale des Films eindrucksvoll einzusetzen. Sogar Samuel L. Jackson als Nick Fury bekommt nun deutlich mehr zu tun. Er darf ein bisschen bei der Action mitmischen, bringt aber auch eine dunklere, manipulative Seite zum Vorschein. Schließlich bringt der S.H.I.E.L.D. Agent Coulson (Gregg Clark) den nötigen Humor mit sich und im Kreis der übergroßen Helden wirkt er mit seiner absoluten Normalität immer sehr erfrischend.

Eine ganz besondere Erwähnung verdient aber Mark Ruffalo als Bruce Banner. Nachdem die Verhandlungen mit Edward Norton, der Banner in Der unglaubliche Hulk spielte, scheiterten, fand man mit Ruffalo einen Ersatz für ihn. Wurde diese Entscheidung noch mit anfänglicher Skepsis begrüßt, so kann an nun getrost sagen, dass es eine richtige war. Nachdem in den letzten 10 Jahren schon Eric Bana und Edward Norton sich an der Figur versucht haben, liefert Ruffalos Interpretation des Charakters wohl die bislang beste Version ab. Sein Bruce Banner ist nicht voller Selbstmitleid, Ängste oder Zweifel. Er akzeptiert den Hulk als seine zweite Natur und hat gelernt mit dem Fluch umzugehen. Ruffalo spielt den Charakter lässig und selbstbewusst. Ruffalo spielt auch den Hulk selbst über das Motion-Capture Verfahren. Die Effekte sind dabei beeindruckend und Hulk spielt eine wirklich tragende Rolle in der finalen Schlacht. Seine Konfrontation mit Loki gegen Ende des Films gehört wohl zu den besten Szenen des Films. Wenn es je ein Argument für einen weiteren Hulk Film gab, dann ist es The Avengers.

Tom Hiddleston sieht sich hier vor einer großen Herausforderung als mehr oder weniger alleiniger Bösewicht dem großartigsten Superheldenteam aller Zeiten entgegenzutreten. Alle Zweifel, ob er nun der geeignete Gegner für den ersten Avengers Film sei, sollten jetzt vom Tisch sein. Als gewiefter, stets trickreicher und unglaublich bösartiger Gott hat Hiddleston seinen Charakter seit Thor weit gebracht. Er hat mit jedem einzelnen der Avengers Charaktere eine persönliche Konfrontation im Laufe des Films und siegt öfter durch ist und Cleverness als durch seine Stärke.

Wie durch ein Wunder schafft Whedon es alle diese Charaktere sowohl jeden für sich als auch in Interaktion sehr natürlich wirken zu lassen. Nichts wirkt hier aufgezwungen und dennoch bekommt jede seine Chance zur Entfaltung. The Avengers ist ein richtiger Ensemble-Film. Dadurch bedingt, fällt die Laufzeit doch etwas länger aus mit 142 Minuten. Dies ist zuweilen zu spüren, da man sehr lange arten muss, bis alle Avengers sich als Team dem Gegner stellen. Wenn sie es dies endlich tun, bekommen wir ein absolut gigantisches Finale zu sehen, bei dem New York (mal wider) in Schutt und Asche gelegt wird, während unsere Superhelden Loki und seine Armee abwehren. Dieser Showdown kann als gutes Gegenbeispiel zu Michael Bays Transformers Fortsetzungen dienen. Auch diese bieten überlange, vor Effekten strotzende finale Actionsequenzen. Diese fallen jedoch sehr zäh aus und aufgrund von schnellen Schnitten auch recht unübersichtlich. In The Avengers ist der letzte Kampf ebenfalls sehr lang, doch die Action ist so gut inszeniert, dass man nie gelangweilt wird. Dabei sieht man auch gerne darüber hinweg, dass die Gegner den Avengers einfach nicht gewachsen sind und sie sich derer doch ziemlich leicht entledigen. Was im Gedächtnis bleibt ist ein fulminantes Finale bei dem jeder der Superhelden seine volle Bandbreite an Fähigkeiten unter Beweis stellt. Es ist ein visuelles Feuerwerk, der alle Sinne angreift und wirklich berauschend ist. Auch davor bietet der Film die eine oder andere gute Actionsequenz, wie z. B. eine Auseinandersetzung zwischen Captain America, Thor und Iron Man, bei der die drei ihre Kräfte gegeneinander messen können. Im Gedächtnis bleibt auch ein eindrucksvoll inszenierter Angriff von Lokis Handlangern auf den fliegenden (!) Flugzeugträger von S.H.I.E.L.D., den Helicarrier. Die fliegende Festung an sich ist schon ein Wunderwerk der visuellen Effekte. Was die in der Post-Produktion hinzugefügten 3D-Effekte angeht, so schaden sie dem Film sicher nicht, bringen aber nicht unbedingt bessere Facetten zum Vorschein.

Es sind aber auch die kleinen, Fan-affinen Details, an die Whedon hier denkt, die das Erlebnis abrunden. So wird die Verbindung zwischen Stark und Captain America durch Starks Vater angesprochen. Thors Romantic Interest Jane Foster (Natalie Portman) wird angesprochen und Tony Starks Liebste, Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) absolviert gar einen Kurzauftritt. Whedon rundet hier das von Marvel erschaffene Universum sehr gut ab. Ein solches Unterfangen kann eigentlich nicht gut funktionieren und das tut es doch. Der Nachteil dabei ist nur, dass man wirklich die meiste- Vorgänger Filme gesehen haben muss, um diesen völlig zu genießen. Sonst versteht man viele Anspielungen nicht und tut sich vielleicht auch schwer mit der Story, in die man unvermittelt hineinkatapultiert wird. Für alle mit den Charakteren vertrauten Zuschauer sollte dies ein richtiges Fest werden, bei dem alle Fans auf ihre Kosten kommen sollten. The Avengers kann sich auf gleichem Niveau behaupten wie der erste Iron Man Film und übertrifft alle anderen Avenger Filme. Als abschließende Empfehlung sei hier bloß jeden Zuschauer angeraten, nach Beginn des Abspanns noch etwas sitzen zu bleiben.

Fazit

Die Fans können aufatmen. Marvel’s The Avengers ist ein rauschendes Actionspektakel, bei dem die Charaktere nie zu kurz kommen.

Bewertung: 

Trailer

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